Ein achtgeschossiger Wohn- und Geschäftskomplex an der Zwickauer Straße, unterkellert mit einer Tiefgarage, die in den stark verwitterten Granodiorit des Untergrunds einschneidet: Dieses typische Chemnitzer Innenstadtprojekt zeigt, dass Flachgründungen an ihre Grenzen stoßen, sobald die kaolinisierten Zersatzzonen des Rotliegend-Vulkanitkomplexes eine Tiefe von vier bis sechs Metern überschreiten. Die Pfahlgründungsbemessung muss hier die stark schwankende Gesteinsfestigkeit innerhalb weniger Meter berücksichtigen, weshalb wir die Bohrpfähle nicht allein nach Erfahrungswerten dimensionieren, sondern auf Basis von Kernbohrungen und ergänzenden Drucksondierungen. Eine sorgfältige Erkundung des Felszersatzes, die wir oft mit einer Korngrößenanalyse an den verwitterten Horizonten kombinieren, bildet die Grundlage jeder wirtschaftlichen Pfahlbemessung in der Stadt.
Der Verwitterungssprung im Chemnitzer Rotliegenden erzeugt innerhalb eines Meters Lastabtragungswechsel von Mantelreibung auf Spitzendruck – ein Bemessungsknick, den nur eine sondierungsgestützte Profilierung auflöst.
Methodik und Umfang
Lokale Besonderheiten
Der geotechnische Kontrast zwischen dem quartären Auensediment im Chemnitz-Tal und den Verwitterungsdecken der Hanglagen im Süden der Stadt führt zu grundlegend verschiedenen Pfahlversagensmechanismen: Während im flussnahen Zentrum die negative Mantelreibung durch konsolidierende Auelehm-Schichten den Bemessungsfall dominiert, steht im hochgelegenen Stadtteil Markersdorf die Gefahr eines spröden Durchstanzens der Pfahlspitze beim Erreichen des unverwitterten Vulkanits im Vordergrund, der dort unregelmäßig und steil einfällt. Ein nicht erkannter Hohlraum im Tuff oder ein lokaler Einbruch des Zersatzspiegels kann die Gruppenwirkung von Pfählen vollständig außer Kraft setzen, was wir durch eine Pfahlprobebelastung nach EA-Pfähle an mindestens zwei Positionen pro Baufeld ausschließen. Die DIN 1054 verlangt hier den Nachweis der inneren und äußeren Tragfähigkeit für den Grenzzustand GEO-2, den wir mit dem Verfahren der Finite-Elemente-Methode bei mehr als zwölf Pfählen pro Fundamentplatte führen.
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Geltende Normen
DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik), DIN 1054:2010-12 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), EA-Pfähle, 2. Auflage (Empfehlungen des Arbeitskreises Pfähle der DGGT), DIN EN 12699:2015-07 (Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau – Verdrängungspfähle)
Zugehörige Fachleistungen
Geotechnischer Pfahlbemessungsbericht nach EC 7
Enthält die Festlegung des Baugrundmodells auf Basis von Kernbohrungen und Drucksondierungen, die Ableitung charakteristischer Pfahlkennwerte (Mantelreibung und Spitzendruck) für bis zu drei Bodenschichten, die Dimensionierung der Pfahlgeometrie und -bewehrung, den Nachweis der inneren und äußeren Tragfähigkeit für alle Grenzzustände sowie die Berechnung der Pfahlkopfverschiebungen unter Gebrauchslast.
Pfahlprobebelastung und dynamische Integritätsprüfung
Statische axiale Pfahlprobebelastungen an einem Referenzpfahl pro Baufeld zur Kalibrierung des Bemessungsmodells, ergänzt durch dynamische Low-Strain-Integritätsprüfungen an mindestens 20 Prozent der Produktionspfähle. Die Auswertung der Last-Setzungs-Kurven erfolgt nach dem Verfahren von Chin-Kondner und liefert den direkten Nachweis der Gebrauchstauglichkeit.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Welche Pfahlsysteme eignen sich für den Chemnitzer Rotliegend-Verwitterungsboden?
Im Chemnitzer Stadtgebiet haben sich teilverdrängende Bohrpfähle (Atlaspfähle) und Vollverdrängungsbohrpfähle mit Durchmessern zwischen 42 und 62 cm bewährt, da sie die Porenwasserdrücke im verwitterten Tuff gering halten. Bei hohen Bauwerkslasten über 3 MN pro Stütze setzen wir auf verrohrte Großbohrpfähle mit 88 bis 120 cm Durchmesser, die in das unverwitterte Festgestein einbinden. Mikropfähle (GEWI-Stahl) kommen bei beengten innerstädtischen Baugruben oder nachträglichen Unterfangungen zum Einsatz.
Wie tief muss ein Pfahl in Chemnitz gegründet werden, um Setzungen zu vermeiden?
Die erforderliche Einbindetiefe hängt vom lokalen Verwitterungsprofil ab, das im Chemnitzer Becken stark variiert. In der Innenstadt erreichen wir tragfähigen Granodiorit meist zwischen 8 und 14 Metern unter GOK, während in den südlichen Hanglagen der Felszersatz bis 18 Meter mächtig sein kann. Entscheidend ist nicht die absolute Tiefe, sondern die Einbindung von mindestens 2,5 Metern in die Verwitterungszone III (mäßig verwittert) oder das Erreichen von Punktlastindex-Werten Is(50) über 3,5 MPa.
Mit welchen Kosten muss man für eine Pfahlgründungsbemessung in Chemnitz rechnen?
Die Kosten für eine vollständige Pfahlgründungsbemessung nach EC 7 und DIN 1054, inklusive Baugrundmodell, Pfahldimensionierung und Standsicherheitsnachweisen, liegen im Stadtgebiet Chemnitz typischerweise zwischen 1.520 und 5.120 Euro, abhängig von der Anzahl der Bemessungsschnitte und der Komplexität des Baugrundmodells. Statische Pfahlprobebelastungen und dynamische Integritätsprüfungen werden separat nach Aufwand abgerechnet.
Ist eine Pfahlprobebelastung in Chemnitz zwingend erforderlich?
Die EA-Pfähle empfiehlt statische Probebelastungen bei Pfahlgruppen mit mehr als sechs Pfählen oder wenn die abgeleiteten Erfahrungswerte für Mantelreibung und Spitzendruck um mehr als 30 Prozent streuen. Da der Chemnitzer Rotliegend-Vulkanitkomplex genau diese Streuung aufweist, ist eine Probebelastung an mindestens einem Pfahl pro Baufeld technisch geboten und wird von den meisten Prüfstatikern der Region auch verlangt. Bei kleinen Bauvorhaben kann eine dynamische Pfahlprüfung in Kombination mit einer numerischen Vergleichsrechnung eine wirtschaftliche Alternative darstellen.
