Die industrielle Vergangenheit von Chemnitz hat das heutige Bauen maßgeblich geprägt. Wo einst Textilfabriken und Maschinenbauhallen standen, finden sich heute oft mächtige Auffüllungen mit heterogener Zusammensetzung – von Ziegelschutt bis hin zu Industrieschlacken. Diese anthropogenen Böden stellen für konventionelle Sondierverfahren eine Herausforderung dar, weil gestörte oder unvollständige Proben nur begrenzte Aussagen über das tatsächliche Tragverhalten zulassen. Die Drucksondierung nach DIN EN ISO 22476-1 umgeht dieses Problem, indem sie den Spitzenwiderstand und die Mantelreibung kontinuierlich über die Tiefe misst und daraus direkt ableitbare Kennwerte für die Bemessung von Flachgründungen und Tiefgründungen liefert. In einem Stadtgebiet, in dem die Mächtigkeit der quartären Lockersedimente stellenweise über 15 Meter beträgt, gewinnt die verlässliche Ermittlung von Lagerungsdichte und undrainierter Scherfestigkeit aus dem CPT-Diagramm eine besondere Bedeutung für die wirtschaftliche Dimensionierung von Bauwerken.
Ein kontinuierliches qc-Profil über 20 Meter Tiefe erspart oft drei zusätzliche Bohrungen.
Methodik und Umfang
Lokale Besonderheiten
Das Chemnitzer Flusstal weist in den grundwassernahen Auelehmen eine ausgeprägte Wechsellagerung von Sanden und organischen Schluffen auf, die unter Bauwerkslasten zu differenziellen Setzungen neigt. Die CPT-Sondierung identifiziert diese Schichtgrenzen durch abrupte Änderungen des Reibungsverhältnisses mit einer Genauigkeit, die mit Rammkernsondierungen nicht erreichbar ist. Ein typischer Schadensfall im Stadtgebiet betrifft die unerkannte Präsenz von Torfhorizonten in 4 bis 6 Metern Tiefe, die in mehreren Fällen zu Nachgründungen und Verstärkungen von Bodenplatten geführt haben. Die Korrelation des CPT-Diagramms mit den bodenmechanischen Laborversuchen aus den Schürfgruben liefert eine abgesicherte Klassifikation dieser Risikoböden und reduziert das Baugrundrisiko auf ein kalkulierbares Niveau.
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Geltende Normen
DIN EN ISO 22476-1: Felduntersuchungen – Drucksondierungen, DIN 4020: Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke, DIN EN 1997-2 (Eurocode 7): Erkundung und Untersuchung des Baugrunds, DIN 1054: Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau
Zugehörige Fachleistungen
Baugrunderkundung für Flach- und Tiefgründungen
Kontinuierliche Aufnahme des Spitzenwiderstands und der Mantelreibung zur direkten Ableitung von Mantel- und Spitzendruckwerten für Pfahlbemessungen nach EA-Pfähle sowie zur Bestimmung der Bettungsmoduln für Flachgründungen auf den heterogenen Auffüllungen des Chemnitzer Stadtgebiets.
Baugrundklassifikation und Schichtgrenzenerkennung
Interpretation der CPT-Diagramme mittels Robertson-Chart (1986, 1990) und normierter Bodenverhaltensdiagramme zur Identifikation geringtragfähiger Lagen wie Auenlehm, Torf oder locker gelagerter fluviatiler Sande im Chemnitzer Becken.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Wie tief kann eine CPT-Sondierung in Chemnitz durchgeführt werden?
In den Lockersedimenten des Chemnitzer Beckens erreichen wir mit unserem 20-Tonnen-Raupenfahrwerk typischerweise Tiefen zwischen 20 und 30 Metern. Die Endteufe wird durch das Erreichen eines Spitzenwiderstands von 50 MPa oder durch die maximale Schubkraft des Geräts begrenzt. In den verwitterten Festgesteinen des Übergangsbereichs zum Erzgebirge kann die Sondierung entsprechend früher auf Fels stehen.
Mit welchen Kosten muss ich für eine CPT-Sondierung rechnen?
Die Kosten für eine CPT-Sondierung in Chemnitz liegen je nach Tiefe und Zugänglichkeit zwischen €160 und €240 pro Sondierpunkt. Darin enthalten sind die komplette Messdatenaufzeichnung und ein Auswertungsbericht mit den abgeleiteten Bodenkennwerten. Bei mehreren Sondierpunkten oder bei Kombination mit Laborversuchen erstellen wir ein wirtschaftliches Pauschalangebot.
Welche Bodenparameter lassen sich direkt aus dem CPT-Versuch ableiten?
Aus den kontinuierlichen Messdaten des CPT-Versuchs können wir über validierte Korrelationsmodelle die relative Lagerungsdichte, den Reibungswinkel für rollige Böden, die undrainierte Scherfestigkeit für bindige Böden sowie die Steifemoduln und die Vorkonsolidierungsspannung ableiten. Die Robertson-Chart ermöglicht zudem eine direkte Bodenklassifikation ohne Probenahme.
Kann die CPT-Sondierung Bohrungen oder Schürfgruben ersetzen?
Die CPT-Sondierung ergänzt direkte Aufschlussverfahren ideal, kann sie aber nicht vollständig ersetzen. Sie liefert eine lückenlose Tiefenprofilierung des mechanischen Bodenverhaltens, während Bohrungen und Schürfgruben die Entnahme von gestörten und ungestörten Proben für Laborversuche ermöglichen. Die Kombination beider Verfahren – CPT für die kontinuierliche Stratigraphie und Bohrungen für die stoffliche Identifikation – ergibt das vollständigste Baugrundmodell.
